Dieses Lernziel verlangt von euch, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen Europas nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 zu analysieren und in ihren langfristigen Konsequenzen für die Herausbildung postindustrieller Gesellschaften zu verstehen. Ihr müsst die unterschiedlichen Entwicklungswege West- und Osteuropas erkennen, die sich aus der Teilung des Kontinents in zwei gegensätzliche Blöcke ergaben – hier die demokratisch-kapitalistischen Staaten unter Führung der USA, dort die sozialistischen Planwirtschaften unter sowjetischer Dominanz. Dazu gehört es, die Ausgangslagen wie Kriegszerstörung, Bevölkerungsverluste, Vertreibungen und die Neuordnung der Grenzen zu kennen, aber auch die ideologischen Grundlagen der Blockbildung (z. B. Truman-Doktrin, Marshallplan, COMECON) zu benennen. Entscheidend ist, dass ihr versteht, wie diese Ausgangssituation die späteren Integrationsprozesse (EG/EU, Warschauer Pakt) und die gesellschaftlichen Modernisierungsprozesse (Wohlfahrtsstaat, Technologisierung, Konsumgesellschaft) prägte. Zudem solltet ihr grundlegende historiographische Positionen kennen, etwa die Debatte über die „Teilung Europas“ als historische Notwendigkeit oder als Ergebnis von Machtpolitik.