Dieses Lernziel verlangt von euch, zu verstehen, dass literarische Texte nicht einfach Abbilder der Realität sind, sondern bewusst gestaltete Fiktionen – also erfundene Welten mit eigenen Regeln, die sich von der Alltagswirklichkeit unterscheiden. Dafür müsst ihr erkennen, wie Autoren durch Erzählperspektiven, Zeitstrukturen, Figurenkonstellationen oder sprachliche Mittel eine eigene Realität erschaffen, die zwar oft an die Erfahrungswelt anknüpft, aber nicht mit ihr identisch ist. Ihr sollt lernen, diese Fiktionalität nicht nur zu identifizieren, sondern auch zu analysieren, etwa indem ihr fragt, warum ein Text bestimmte Elemente *fiktional* gestaltet – etwa durch Übertreibungen, Auslassungen oder symbolische Verdichtungen. Wichtig ist auch, die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zu reflektieren, etwa wenn literarische Texte gesellschaftliche Themen aufgreifen oder historische Ereignisse verarbeiten, ohne sie direkt abzubilden. Am Ende geht es darum, bewusst mit der Unterscheidung zwischen „erfunden“ und „wahr“ umzugehen, ohne dabei die künstlerische oder gesellschaftliche Funktion von Literatur zu übersehen.