Dieses Lernziel verlangt von euch, das biblische Menschenbild – wie es etwa in der Schöpfungsgeschichte (Gen 1–3), den Psalmen oder den Briefen des Paulus entfaltet wird – systematisch mit einem anderen anthropologischen Konzept zu vergleichen, etwa mit philosophischen Entwürfen (z. B. Descartes’ Dualismus, Sartres Existenzialismus oder Plessners „exzentrischer Positionalität“) oder psychologischen Modellen (z. B. Freuds psychoanalytischer Anthropologie oder dem humanistischen Menschenbild Maslows). Dazu müsst ihr zunächst die zentralen Merkmale des biblischen Menschenbildes herausarbeiten: seine Geschöpflichkeit und Abhängigkeit von Gott, die Gottebenbildlichkeit als besondere Würde, die Ambivalenz von Freiheit und Schuld sowie die Hoffnung auf Erlösung. Gleichzeitig sollt ihr die Grundannahmen des gewählten Vergleichskonzepts analysieren, etwa dessen Verständnis von Vernunft, Körperlichkeit, Sozialität oder Transzendenzbezug, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede – etwa in der Frage nach der Freiheit des Willens oder der Rolle der Emotionen – präzise benennen zu können. Entscheidend ist dabei, nicht nur inhaltliche Parallelen oder Widersprüche zu erkennen, sondern auch die jeweiligen anthropologischen Grundoptionen zu reflektieren, die hinter den Konzepten stehen, etwa die Frage, ob der Mensch primär als relationales Wesen (biblisch) oder als autonomes Subjekt (moderne Philosophie) gedacht wird. Abschließend sollt ihr die Relevanz dieser Gegenüberstellung für aktuelle ethische oder existenzielle Fragen diskutieren, etwa inwiefern biblische Vorstellungen von Menschwürde heutige Debatten um Bioethik oder Digitalisierung prägen.