Dieses Lernziel verlangt von euch, zwei zentrale Perspektiven auf den Menschen zu verstehen und zu vergleichen: Zum einen die empirisch-wissenschaftliche Sicht, etwa aus Biologie, Psychologie oder Neurowissenschaften, die den Menschen als biologisches, soziales oder kognitives Wesen beschreibt – etwa als Ergebnis evolutionärer Anpassung oder neuronaler Prozesse. Zum anderen die philosophische Anthropologie, die nach dem *Wesen* des Menschen fragt, etwa nach Freiheit, Vernunft, Verantwortung oder der Fähigkeit zur Selbstreflexion, und dabei normative Fragen stellt, die über bloße Fakten hinausgehen. Ihr müsst in der Lage sein, die jeweiligen Grundannahmen, Methoden und Konsequenzen dieser Ansätze zu benennen, etwa wie die Biologie Freiheit als Illusion deuten könnte, während die Philosophie sie als Bedingung für Moral versteht. Abschließend sollt ihr beide Konzeptionen kritisch einordnen, etwa indem ihr diskutiert, ob der Mensch *nur* ein Produkt seiner Gene oder Umwelt ist oder ob er sich durch seine Vernunft über diese Determinismen erheben kann. Dazu gehört auch, historische Debatten (z. B. zwischen Kant und Darwin) oder aktuelle Kontroversen (z. B. über Neurodeterminismus) zu kennen und in ethische Argumentationen einzubinden.