Um das Lernziel zu erreichen, müssen Schüler zunächst verstehen, dass Dichtung im alten Rom nicht nur künstlerischen Selbstzweck hatte, sondern als zentrales Medium der kulturellen und politischen Kommunikation fungierte – etwa in der Vermittlung von Werten, der Repräsentation von Macht oder der Bildung einer gemeinsamen Identität. Dazu gehört es, zentrale Gattungen wie Epos, Lyrik oder Satire zu kennen und ihre gesellschaftliche Rolle zu analysieren, etwa wie Vergils *Aeneis* als propagandistisches Werk die römische Gründungsmythologie prägte oder wie Horaz’ Oden gesellschaftliche Normen reflektierten. Zudem sollten sie die Funktion von Rezitationen und öffentlichen Lesungen im Kontext des antiken Bildungssystems (z. B. im Rahmen der *recitationes*) nachvollziehen können, um zu erkennen, wie Dichtung performativ wirksam wurde. Ein Perspektivwechsel ist nötig, um zu begreifen, dass römische Dichtung oft griechische Vorbilder adaptierte, dabei aber eigene römische Ideale wie *virtus* oder *pietas* betonte – ein Vergleich mit griechischen Originalen (z. B. Homers *Odyssee* vs. Vergils *Aeneis*) vertieft dieses Verständnis. Schließlich müssen Schüler in der Lage sein, lateinische Originaltexte (ggf. in Übersetzung) auf ihre gesellschaftliche Funktion hin zu interpretieren, etwa durch die Analyse von Motiven wie Ruhm, Moral oder sozialer Ordnung.